· 

Ex-Boss Biehl will nichts gewusst haben

Mit weißem Einstecktuch unterm Arm erschien Jörg Biehl (54) gestern im Landgericht. Um 9.40 Uhr übergab der Richter dem Ex-Infinus-Boss das Wort. Erstmals seit Prozessbeginn im November 2015 äußerte sich Biehl zu den Vorwürfen gegen ihn und seine fünf Mitangeklagten.

 

„Ich arbeite 24 Jahre in der Finanzbranche, traf bei Infinus viele Entscheidungen im Alleingang. Ich war Visionär. Im Nachhinein war das vielleicht ein Fehler. Ich wollte einen Finanzkonzern aufbauen“, sagte Biehl, der aus dem Kleinunternehmen „Biehl und Partner“ erst die „Moritzburger Versicherungsmakler“, später Infinus machte und damit an die Börse wollte. „Mein Motto: Geht nicht, gibt es nicht. Mein Naturell ist es, immer nach vorn zu sehen“, so Biehl. „Alles Geld floss in die Expansion. Ich hatte nie zu viel Geld, um nicht zu wissen, wohin damit“, wies er den Vorwurf der Bereicherung zurück. Er habe sich beraten lassen, von Mitangeklagten und Wirtschaftsprüfern bestätigt gefühlt. „Die Zukunft von Infinus wurde nie bezweifelt“, sagte Biehl. Zwar sei er auf Risiken hingewiesen worden. „Aber mir wurde erklärt, die seien der Normalfall und nicht strafbar.“ Bis zum Schluss war er überzeugt: „Wir stehen gut da.“ Im November 2013 aber wurden Konten und Vermögen aller Infinus-Firmen beschlagnahmt. Laut Anklage brachten dieBosse über 20000 Anleger um mehr als 150 Millionen Euro. Der Prozess wird fortgesetzt.  

 

Morgenpost vom 19.April 2016. sts